Staatenhaus am Rheinpark, Saal 2

La Traviata

Marina Costa Jackson | Sopran
Foto: Oper Köln
Marina Costa Jackson | Sopran
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Oper in drei Akten
Oper - Giuseppe Verdi

Libretto von Francesco Maria Piave nach »La dame aux camélias« von Alexandre Dumas d.J.
Musikalische Leitung: Constantin Trinks, Arne Willimczik
Inszenierung: Benjamin Schad
Bühne:Tobias Flemming
Chorleitung: Benjamin Huth

Alexandre Dumas d. J., franz. fils, der uneheliche Sohn des berühmteren Alexandre Dumas père, von dem Die drei Musketiere oder Der Graf von Monte Christo stammen, hatte mit dem Roman Die Kameliendame (La dame aux camélias) von 1848 den größten Erfolg seiner schriftstellerischen Karriere gelandet. Von der Figur der guten und schönen "Sünderin", einer Nachfahrin der Maria Magdalena aus dem Neuen Testament, ging und geht offenbar eine besondere Faszination aus. Wie auch andere Romane Dumas' beschäftigt er sich hier mit der Pariser Halbwelt, der demi-monde, in der sich der Autor gerne bewegte. Die Handlung der Kameliendame ist teilweise autobiografisch und erzählt die Geschichte seiner Begegnung als Zwanzigjähriger mit der Modistin und Edel-Kurtisane Marie Duplessis (1824-1847). Aus ärmlichsten Verhältnissen stammend, kam sie als Fünfzehnjährige nach Paris und wurde dort die Geliebte eines wohlhabenden Kaufmanns, was zu einer markanten Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse führte. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus dem armen Bauernmädchen eine der begehrtesten und teuersten Kurtisanen von Paris. Sie lernte das Lesen und Schreiben, nahm Klavierunterricht, galt sogar als außerordentlich gebildet und belesen. Sie änderte ihren Namen und wurde Marie Duplessis. Zu ihren Liebhabern gehörten eben jener Alexandre Dumas fils, aber auch der Klaviervirtuose und Komponist Franz Liszt. Marie war berühmt für ihre Schönheit, ihre Eleganz, ihr Taktgefühl und ihren Stil. Angeblich sei niemand, der ihr zum ersten Mal begegnete, auf den Gedanken gekommen, er habe eine Prostituierte vor sich. Marie hatte eine große Vorliebe für Blumen, vor allem für Kamelien. An 25 Abenden im Monat soll sie weiße, an den übrigen Abenden, wenn sie ihre Periode hatte, rote Blüten im Haar oder an ihrem Kleid getragen haben. Dumas, der diese Eigenheit in seinen Roman übernahm, behauptete, niemand habe den Grund für diesen floralen Farbenwechsel gekannt. Im Januar 1846 heiratete Marie auf dem Standesamt im Londoner Stadtteil Kensington Graf Eduard de Perregeaux. Als die Ehe nach kurzer Zeit scheiterte, war Marie, die an Tuberkulose litt, bereits schwer krank. Trotzdem stürzte sie sich in ein Leben, das wilder und ausgelassener war als je zuvor. Ein knappes Jahr später, am 3. Februar 1847 starb sie, hochverschuldet und von allen Freunden verlassen, in ihrer Wohnung in Paris im Alter von nur 23 Jahren. Für seinen Schlüsselroman wechselte Dumas den Namen der Protagonistin. Nun heißt sie Marguerite Gautier. Sie lernt den jungen Armand Duval, einen Mann aus den besten Kreisen der Pariser Gesellschaft, kennen. Nach anfänglichen Eifersüchteleien und Rückzügen von Seiten Armands, der sich immer heftiger in sie verliebt und dementsprechend ungehalten auf ihren ausschweifenden Lebensstil reagiert, verliebt sich auch Marguerite in ihn und ist bereit, ihr früheres Leben um seinetwillen aufzugeben und mit ihm zusammen ein neues Leben zu beginnen. Als der um seinen Sohn besorgte Vater Armands von dessen Liaison mit einer Kurtisane erfährt, versucht er zunächst energisch, den Sohn von dieser Verbindung abzubringen. Doch dieser lehnt höflich, aber bestimmt ab. Daraufhin sucht der Vater heimlich Marguerite auf. Zunächst macht er ihr heftige Vorwürfe. Doch obwohl es ihr gelingt, Armands Vater schließlich von der Echtheit ihrer Liebe zu seinem Sohn zu überzeugen, beschwört der sie, die Zukunft seines Sohnes nicht durch ihre Verbindung zu gefährden. Marguerite beugt sich den Bitten des Vaters, trennt sich von Armand und kehrt zu ihrem alten Leben zurück. Armand, der nichts von diesen Hintergründen ahnt, ist tief verletzt. Erst als Marguerite schwer lungenkrank im Sterben liegt, erfährt er die Motive ihres Handelns. Da der Roman beim Publikum außerordentlich erfolgreich war, arbeitete Dumas ihn zu einem Bühnenstück um, das am 2. Februar 1852 in Paris uraufgeführt wurde, gegen heftige Widerstände der zeitgenössischen Zensur im Übrigen. In diesem Erfolgsstück spielte ab 1880 die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt die Hauptrolle und feierte damit weltweit große Triumphe. War das traurige Schicksal der edlen und schönen Kurtisane schon auf der Sprechbühne ein großer Erfolg, so wurde es unsterblich doch erst durch die Opernbühne. Schon 1853 vertonte Giuseppe Verdi (1813 - 1901) Dumas' Schauspiel auf der Grundlage eines Librettos von Francesco Maria Piave, der seit 1844 für 25 Jahre Verdis "Lieblingslibrettist" war. Nun heißt die Protagonistin nicht mehr Marguerite Gautier, sondern Violetta Valéry und sie ist "La Traviata": Die aus der Bahn Geratene, Die vom (rechten) Wege Abgekommene. Als vom rechten Weg abgekommen bezeichnet sich die Titelheldin im Übrigen selbst in ihrer Arie Addio del passato.

1. Akt
Alfredo Germont, ein junger Mann aus der Provence, wird von Gaston, Vicomte de Letorieres, bei der berühmten Kurtisane Violetta Valéry eingeführt. Sie gibt in ihrem Haus in Paris ein Fest. Gaston weiß, wie sehr Alfredo die Valéry bewundert, aber sie schenkt dem jungen Germont anfangs wenig Aufmerksamkeit. Als Baron Douphol, dessen Maitresse Violetta bis zu diesem Zeitpunkt ist, es ablehnt, den Abend mit einem Trinkspruch zu feiern, erklärt sich Alfredo, von Violetta aufgefordert, bereit: Er singt ein leidenschaftliches Lied auf die Liebe, in das Violetta und die Gesellschaft einstimmen. Während sich die Gäste zum Tanz begeben, zwingt ein plötzlicher Schwächeanfall Violetta zurückzubleiben. Alfredo gesteht ihr seine Liebe. Mit leisem Hohn weist Violetta ihn zurück. Betroffen von dem offenherzigen Auftreten Alfredos, schenkt sie ihm jedoch eine Kamelie: Er darf wiederkommen, wenn die Blüte verwelkt ist, also innerhalb eines Tages. Im Morgengrauen verabschieden sich die Gäste. Als sie allein ist, wird sich Violetta der Sinnlosigkeit ihres bisherigen Lebens bewußt. Dennoch kämpft sie gegen die erwachende Liebe zu Alfredo an.

2. Akt
Violetta hat sich mit Alfredo in ein Haus auf dem Lande zurückgezogen. Fern von Paris will sie mit dem Geliebten glücklich sein. Von der Dienerin Annina erfährt Alfredo, dass Violetta ihre Wertsachen verkaufen will, um den gemeinsamen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Nachdem Alfredo das Haus verlassen hat, um von sich aus die benötigte Summe zu beschaffen, erscheint überraschend sein Vater bei Violetta. Er verlangt von ihr, auf seinen Sohn zu verzichten. Giorgio Germont fordert dieses Opfer, da das Verhältnis zwischen seinem Sohn und einer Kurtisane die Familie kompromittiere und damit vor allem die Heirat seiner Tochter unmöglich mache. Violetta will das geforderte Opfer bringen und Alfredo verlassen, allerdings nur unter einer Bedingung: Sie verlangt von Giorgio Germont, dass er seinem Sohn nach ihrem Tod die wahren Beweggründe ihres Handelns entdeckt. Durch Annina übersendet Violetta eine Zusage an ihre Freundin Flora Bervoix in Paris, von der sie für den gleichen Abend zu einem Fest eingeladen worden war. Dann schreibt sie einen Abschiedsbrief an Alfredo. Unter dem Vorwand, sich wegen des angekündigten Besuches seines Vaters zurückziehen zu wollen, verläßt Violetta den nichtsahnenden Alfredo und kehrt heimlich nach Paris zurück. Ein Bote überbringt Alfredo wenige Augenblicke später den Brief Violettas. Sie teilt ihm mit, dass sie sich für ihr früheres Leben entschieden habe. Vergeblich versucht Alfredos Vater, seinen Sohn zur Rückkehr in die Familie zu bewegen. Doch dieser eilt davon - nach Paris und begibt sich dort in den Salon Floras. Auf dem Fest der Kurtisane Flora Bervoix wechseln Tänze, Lieder und Glücksspiele. Alfredo, auf der Suche nach Violetta, beantwortet scheinbar gleichgültig die Frage nach seiner Geliebten und wird von allen Anwesenden zum Spieltisch gebeten. Kurze Zeit darauf betritt Violetta am Arm ihres früheren Freundes, Baron Douphols, den Saal. Am Spieltisch provoziert Alfredo nicht nur den Baron mit herausfordernden Bemerkungen, sondern auch Violetta. Nachdem sich die Gesellschaft zu Tisch begeben hat, kann Alfredo mit Violetta unter vier Augen sprechen. Sie gibt vor, jetzt den Baron zu lieben, und bittet ihn verzweifelt, sofort zu gehen, da sie fürchtet, er könnte in einem Duell mit Douphol sein Leben verlieren. In höchster Erregung ruft Alfredo die Gesellschaft herbei. Vor aller Augen wirft er Violetta das beim Glücksspiel gewonnene Geld vor die Füße. In diesem Augenblick erscheint Alfredos Vater, der seinen Sohn wegen dessen Unbeherrschtheit zurechtweist. Die Aufregungen haben Violettas Kraft gebrochen. Von der Gesellschaft ausgestoßen, verläßt sie langsam den Saal.

3. Akt
Einige Zeit später. Zu dem körperlichen Verfall Violettas kommt materielles Elend. Doktor Grenvil spricht der todkranken Frau Mut zu. Aus einem Brief Giorgio Germonts erfährt Violetta von einem Duell zwischen Alfredo und Baron Douphol. Germont kündigt außerdem die Ankunft seines Sohnes an. Violetta nimmt Abschied vom Leben. Draußen zieht ein Faschingszug vorbei. Annina bereitet Violetta auf die Begegnung mit dem zurückgekehrten Alfredo vor. Die Liebenden fallen sich in die Arme. Alfredo bittet Violetta um Vergebung. Da flackert Violettas mattes Lebenslicht noch einmal kurz auf, um anschließend zu verlöschen. Doktor Grenvil und Giorgio Germont finden eine Sterbende.

Verdis Musik ist einfach schön. Man darf in diesem Zusammenhang vielleicht daran erinnern, dass in dem bekannten Film Pretty Woman die Amateur-Prostituierte Vivian (Julia Roberts) durch die Musik eben dieser Oper nicht nur zu Tränen gerührt, sondern auch zu einer verbalen Reaktion animiert wird, die das Überwältigt-Werden durch diese Musik in der erstmaligen Begegnung unnachahmlich zum Ausdruck bringt. Die Partie der Violetta gilt wegen ihrer Ausdrucksvielfalt und ihres großen Umfangs als eine der glanzvollsten und dankbarsten Aufgaben für einen dramatischen Koloratursopran. Große Sängerinnen der Vergangenheit (M. Callas, R. Tebaldi) und der Gegenwart (A. Netrebko, D. Damrau) feierten und feiern in dieser Rolle Triumphe. Mit der Trias der so erfolgreichen Opern der Jahre 1851 bis 1853 (neben der Traviata sind dies Rigoletto und Troubadour) hat Verdi eine musikalische Reife erreicht, die es ihm ermöglicht, virtuos mit Traditionen, Formen und Farben zu spielen. Raffiniert werden Tonfolgen für Vorausdeutungen und Rückverweise eingesetzt. So lässt er etwa das knappe Vorspiel zur Oper mit den Klängen beginnen, die im Schlussakt für die tödliche Erkrankung der Titelheldin stehen. Auch die Arien sind musikalisch miteinander verknüpft. Thematisches Material kehrt immer wieder und zeigt mentale und emotionale Vorgänge wie Erinnerungen oder Sehnsüchte jenseits der gesprochenen bzw. gesungenen Worte (des Librettos) an. Der in Musik gesetzte innere Austausch zwischen den Liebenden oder zwischen Violetta und Alfredos Vater (2. Akt) wird oftmals begleitet von einer lärmenden Außenwelt mit ihren Bällen (1. und 2. Akt) und Karnevalsumzügen (3. Akt). Äußere Feste und innere Katastrophen werden so miteinander verschränkt.
Gesungen wird selbstverständlich in italienischer Sprache bei deutscher Übertitelung.




Dr. Hans-Gerhard Neugebauer

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Letzte Aktualisierung: 09.08.2020 17:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln