Kölner Philharmonie

dogma chamber orchestra

Wiener Klassik – immer wieder inspirierend
Konzert - Haydn, Beethoven, Schubert

Mikhail Gurewitsch, Konzertmeister und Leitung
Martin Kirschnereit, Klavier


Joseph Haydn (1732 – 1809)
Sinfonie g-Moll Hob. I:83 „La Poule“

Joseph Haydns einzige Moll-Sinfonie unter den Auftragswerken der Loge Olympique entstand – wohl mit als erste – bereits 1785 und wurde im selben Jahr in Paris uraufgeführt; sie erfreute sich trotz ihres zumindest im ersten Satz eher streng-düsteren Charakters großer Beliebtheit, und daher mag auch ihr – allerdings wenig passender – Beiname stammen; die Bezeichnung „La Poule“ („Die Henne“) nimmt zum einen Bezug auf das Seitenthema des ersten Satzes mit seinen Vorschlagsfiguren, die man wohl als „Gackern“ missverstehen konnte, zum anderen aber – und hier dürfte der tiefere Grund dieser Bezeichnung liegen – auf die Ähnlichkeit mit einem gleichnamigen lautmalerischen Cembalostück Jean Philippe Rameaus. Ohne Zweifel hat Haydn, wo nicht auf Rameau, so doch auf die große französische Opernouvertüre Bezug genommen: Der punktierte Rhythmus, der den ganzen ersten Satz prägt, entstammt ihr ebenso wie der kräftig-energische Ton des ersten Satzes. Das Hauptthema ist ein durch den Dur-Leitton verschärft aufsteigender Dreiklang, vom vollen Orchester auf verschiedenen Stufen vorgetragen und jeweils durch Spannungspausen getrennt. Überraschend ist der Schluss der Durchführung, eine ins „piano“ gewendete Abwandlung des Dreiklangmotivs über liegenden Streicherakkorden. Der langsame Satz in Es-Dur ist in der Großform eine Verquickung von Sonatensatz und Variationsteilen. Über pulsierenden Achteln erhebt sich eine sehr kantable Geigenmelodie, die Mozartschen Geist atmet. Violinfigurationen, plötzliche Orchesterausbrüche, und seltsam leer wirkende Begleitachtel, die bis zu vier Takte spannungsvoll ausfüllen, rücken den Satz in die Nähe einer pathetischen Opern-Arie, ehe er ebenso sensibel und ruhig wie zu Beginn ausklingt. Das Menuett speist sich motivisch aus den Themenphrasierungen und dem Klangwechsel zwischen Tutti und zart durchbrochener Instrumentation; das Trio dagegen ist ganz einfach gehalten und färbt die durchlaufende Geigenmelodie klanglich durch eine solistische Flöte. Das Finale in G-Dur ist ein heiter-pastorales Jagd-Finale im 12/8-Takt, dessen Sonatensatz-Struktur durch rondo-ähnliche Elemente aufgelockert ist. Die harmonisch oft gewagte Stimmführung und die thematische Verdichtung in der Durchführung zeigen Haydns Sinn für zyklischen Ausgleich der Formstruktur, ohne den eher spielerischen Charakter des Satzes zu überlagern.
Spieldauer: ca. 25 Min.

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19

Die fünf Klavierkonzerte Beethovens markieren eine nachhaltig wirksame Phase in der Entwicklung der Gattung Klavierkonzert, die vom frühklassischen Instrumentalkonzert des 18. Jahrhunderts zum großen Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts führt, bei dem der Solist dem gesamten Orchester als dominierender Antipode gegenübertritt. Dabei repräsentieren die beiden ersten Konzerte Beethovens Entwicklung zum Typus des sinfonischen Konzerts, den die drei folgenden, in sehr unterschiedlicher Weise allerdings, entfalten und damit weit in die Zukunft vorausweisen. Das Klavierkonzert in B-Dur ist, anders als es die Opuszahlen belegen, Beethovens erstes großes Werk dieses Genres. Ihm ging nur ein Konzert aus dem Jahre 1784 voraus, das aber wenig individuelle Züge trägt. Doch auch das B-Dur Konzert zeigt noch eine starke Anbindung an die formale und strukturelle Tradition, insbesondere an das Werk Mozarts. Dies lässt sich bereits an der sehr bescheidenen Instrumentation belegen, bei der Beethoven auf Klarinetten, Pauken und Trompeten ganz verzichtet. Auch der insgesamt lyrische Charakter des Stückes erinnert an Mozart. Doch scheint Beethoven selbst mit dem Werk nicht ganz zufrieden gewesen zu sein, denn für weitere Aufführungen schrieb er das Konzert um, und noch 1800, als er dieses Klavierkonzert seinem Leipziger Verleger Hoffmeister zum Druck anbot, charakterisierte er es „als keines von meinen besten“. (Die ursprüngliche Fassung des Konzertes ist leider nicht erhalten geblieben.) Der erste Satz (Allegro con brio) entspricht dem Formmodell des Sonatenhauptsatzes mit der für Instrumentalkonzerte damals üblichen Variante der doppelten Exposition. Auffallend ist, dass Beethoven das aus zwei gegensätzlichen Motiven bestehende Hauptthema des Orchesters im Soloinstrument weitgehend ausspart. Eine überraschende harmonische Wendung führt zum leicht verschnörkelt wirkenden Seitenthema. Hinzu kommt ein drittes, stark an Mozart erinnerndes, lyrisches Thema in der Exposition des Soloinstruments. Der Durchführungsteil ist relativ knapp gehalten und konzentriert sich in thematischer Hinsicht auf eine lyrische Erweiterung des Seitenthemas. Hier dominiert nun das Klavier, das in wirbelnden Läufen zur Reprise zurückführt. Dann setzt das Orchester fast wie bei einem zweiten Durchführungsteil mit der Überleitung zur groß angelegten Kadenz des Solisten ein. Diese Kadenz wurde von Beethoven vermutlich erst 1809 für Erzherzog Rudolf von Österreich, seinen Schüler, Gönner und Freund, nachkomponiert. Als Herzstück des Satzes gilt der mittlere Satz (Adagio) in der Tonart Es-Dur. Nach einer getragenen Orchestereinleitung entwickelt sich ein Dialog zwischen dem Soloinstrument und dem Tutti des Orchesters, wobei allerdings dem Solisten die Führungsrolle zufällt. Oft wird der Orchestersatz sogar auf die Streicher reduziert. Besonders reizvoll wirkt der vom Klavier umspielte Wechsel von Holzbläsermelodie und Streicherpizzikato. In einer intimen Coda verklingt der Satz. Von mitreißend heiterem Charakter ist das Finale (Molto allegro), von der Form her ein siebenteiliges Rondo. Ein C-Teil wird eingerahmt von zwei ABA-Teilen. Hinzu kommt eine knappe Coda. Auch in diesem Satz wird der Anteil des Orchesters knapp gehalten und auf die sich wiederholenden Refrains reduziert, während die brillanten Passagen dem Soloklavier vorbehalten bleiben.
Spieldauer: ca. 28 Min.

Franz Schubert (1797 - 1828)
Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485

Schuberts sinfonisches Schaffen gipfelt nach Einschätzung von Publikum und Kritik oftmals in der „Unvollendeten“ und in der großen C-Dur-Sinfonie. Die diesen Gipfelwerken der Gattung vorangehenden Sinfonien gelten demgegenüber nicht selten als zweitrangige „Jugendwerke“, in denen Schubert die Errungenschaften der Wiener Klassik zwar mit satztechnischer Meisterschaft, aber mit wenig schöpferischer Eigenständigkeit imitiert habe. Solche ästhetischen Urteile stehen in der Tradition einer aus dem 19. Jahrhundert übernommenen Sichtweise, „die die große instrumentale Form nur dann als vollwertig gelten lässt, wenn sie zu radikaler Bekenntnismusik sich aufschwingt, wenn sie zum weltumspannenden Kosmos, sich verdichtet“ (Rzehulka). Erst die Abkehr von einer solchen Sichtweise lässt die Eigenart und den Reiz der sechs sog. „Jugendsinfonien“ Schuberts erkennbar werden. Innerhalb dieser Jugendsinfonien nimmt die fünfte noch einmal eine Ausnahmestellung ein. Sie ist der künstlerische Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung Schuberts mit Mozart, besonders der späten g-moll-Sinfonie, sie ist Schuberts Hommage an Mozart. Die Sinfonie entstand im wesentlichen während des Septembers 1816 (abgeschlossen am 5.Oktober) und wurde kurz nach ihrer Vollendung durch ein Liebhaberorchester in Wien uraufgeführt. Schubert verzichtet für die Instrumentierung – wie Mozart in der g-moll-Sinfonie – auf Klarinetten, Trompeten sowie Pauken und schreibt neben den Streichern nur eine Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte und zwei Hörner vor. Der erste Satz „Allegro“ ist nach dem Schema des Sonatensatzes gebaut, doch wird das musikalische Material in Gestalt der reizenden Themen mit einer solchen Leichtigkeit gehandhabt, dass die geschickte und kunstvolle Konstruktion überspielt wird. Auch das wunderbare „Andante con moto“ ist ein Beispiel dafür, wie sich hinter scheinbarer Schlichtheit eine hohe satztechnische Virtuosität verbirgt: Melodische Einfälle verbinden sich mit sorgfältig geplanten Proportionen, einer hohen Sensibilität für orchestrale Klangfarben und kontrapunktische Feinheiten. Einen deutlichen Kontrast bildet das kräftige Menuett (Allegro molto), das überraschenderweise in gmoll steht. Ihm kontrastiert wiederum das in G-Dur stehende Trio mit seinem gelösten Aussingen der Melodie. Der Finalsatz (Allegro vivace) greift mit seinem Hauptthema auf Haydn, mit dem Seitenthema allerdings wieder auf Mozart zurück, ohne allerdings das von den Wiener Klassikern aufgeworfene Problem des „gewichtigen“ Finales aufzugreifen. Die Sinfonie endet als heiterer und unbeschwerter „Kehraus“.
Spieldauer: ca. 28 Min.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 09.07.2020 19:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln