Kölner Philharmonie

Philharmonie Poznan

Lukasz Borowicz | Dirigent
Foto: Philharmonie Köln
Lukasz Borowicz | Dirigent
Foto: Philharmonie Köln

Polens Nationalidol - der Komponist Chopin
Konzert - Smetana, Chopin, Tschaikowsky

Lukasz Borowicz, Dirigent
Juho Pohjonen, Klavier


Bedrich Smetana (1824 – 1884)
Ouvertüre zur Oper „Die verkaufte Braut“

Bedrich Smetanas Zyklus Sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ ist wohl die bekannteste und bedeutendste Orchesterkomposition aus der Feder des Komponisten. Ein Hymnus an die Lebenskraft seines Volkes und die Schönheit seines Landes, beschworen aus Geschichte, Mythos und Landschaft. Um 1860 wurden in Prag die nationalen Elemente immer lauter und machten ihr Recht auf kulturelle Eigenständigkeit deutlich. Der tschechische Komponist Smetana fühlte sich als Patriot verpflichtet seinen Beitrag zu leisten und so gab er seine zufriedenstellende Arbeit in Schweden auf – er war dort Leiter der Konzerte der „Harmoniska Sällskapet“ in Göteborg – und kehrte nach Prag zurück. Dort schaffte er sich nach anfänglicher Schwierigkeiten eine zentrale Stellung im Musikleben der Stadt. In dieser Zeit entstanden die sechs Tondichtungen mit dem Titel „Mein Vaterland“, die jeweils aus Geschichte, Landschaft und Sagenwelt seines Vaterlandes erzählen. Der folgenschwere Morgen des 20. Oktober 1874 sollte seine kompositorische Arbeit nicht behindern: Smetana stellte fest, dass er über Nacht das Gehör verloren hatte. Nach einer Unterbrechung, er schrieb in der Zwischenzeit zwei Opern („Der Kuss“ und „Das Geheimnis“) und das Quartett „Aus meinem Leben“, vollendete er schließlich 1878 seine Sinfonische Dichtung. Die „Moldau“, die 2. Sinfonische Dichtung des Zyklus „Mein Heimatland“, ist sicherlich das bekannteste und populärste Stück daraus und sicherlich das berühmteste Werk der Gattung „Programmusik“ überhaupt. Hier wird musikalisch der sagenumwobene Fluss vom Ursprung („Quellenmotiv“) bis zur Landeshauptstadt Prag („Vysehradmotiv“) dargestellt. Zwischendurch wohnt man einer Bauernhochzeit bei, sieht Nymphen einen Reigen tanzen, kommt in Stromschnellen, um im strahlenden Dur an Prag vorbeizurauschen und in der Ferne zu verschwinden. Die lautmalerische Satzfolge lautet: die beiden Quellen der Moldau: Allegro comodo non agitato - Waldjagd - Bauernhochzeit: L'istesso tempo ma moderato - Mondschein, Nymphenreigen: L'istesso tempo - Tempo I - St. Johann-Stromschnellen - Die Moldau in ihrer ganzen Breite: Più moto.
Spieldauer: ca. 12 Min.

Frédéric Chopin (1810 - 1849)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 f-Moll op. 21

In seinen Kompositionen beschränkte sich Frédéric Chopin Zeit seines Lebens auf das Instrument, das er selber bestens beherrschte: das Klavier. Das Orchester hat er nur in einigen seiner frühen Werke herangezogen, zur Begleitung seiner beiden Klavierkonzerte und einiger andere Konzertstücke. Die beiden Klavierkonzerte entstanden in Warschau in den Jahren 1829 und 1830. Zuerst das als op. 21 veröffentlichte Konzert in f-Moll (Herbst 1829 bis Frühjahr 1830), dann das Konzert in e-Moll op. 11 (April bis August 1830). Beide Konzerte stellen die einzigen Exemplare einer ansonsten im heutigen Repertoire verschwundenen Gattung dar, dem Virtuosenkonzert. Bei diesem Typus geht es weder um ein differenziertes Wechselspiel, ein „concertare“ zwischen Orchester und Soloinstrument noch um satztechnische Finessen. Vielmehr dient dieser Konzerttyp ausschließlich der möglichst effektvollen Präsentation des Solisten, der neben sich keinen gleichrangigen Partner in Gestalt des Orchesters duldet. Das Orchester erfüllt untergeordnete Funktionen und beschränkt sich darauf, zu begleiten und die Auftritte des Solisten durch Einleitungen und Zwischenspiele vorzubereiten. Setzt das Klavier ein, so tritt das Orchester sogleich in den Hintergrund. Beide Konzerte sind traditionell dreisätzig, in der Abfolge schnell-langsam-schnell. Beide wenden die Molltonart, die den Kopfsatz dominiert, im weiteren Verlauf in das hellere Dur. Im heute zur Aufführung kommenden f-Moll-Konzert vollzieht sich der Wechsel erst innerhalb des Finalsatzes. Er wird dort theatralisch eingeleitet durch ein Signalhorn. Die langsamen Mittelsätze markieren Zwischenstufen: Sie stehen in Dur, haben aber noch nicht den strahlenden Charakter der Finalsätze, sondern bleiben in ihrem verhangenen Charakter den voraufgehenden Moll-Sätzen verbunden. Der Kopfsatz des f-Moll-Konzertes zielt auf Repräsentation und große Gestik. Er dient dem Auftritt des Virtuosen, der sich – der Tradition entsprechend – pathetisch und brillant gibt. Der langsame Satz (Larghetto) erscheint als Träger intimerer Empfindungen, er stellt den emotionalen Mittelpunkt des Werkes dar und beginnt mit einem von Chopins schönsten Nocturnes. Der Schlusssatz, ein äußerst virtuos gehaltener Konzertwalzer in Rondo-Form, vermischt mit Elementen volkstümlicher polnischer Tanzmusik, hat demgegenüber die Funktion eines heiteren Kehraus und steht in deutlichem Kontrast zum Anfangssatz.
Spieldauer: ca. 30 Min

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 – 1893)
Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 20
„Polnische“

Als einzige der sechs Sinfonien Tschaikowskys steht die Dritte in einer Dur-Tonart. Dennoch beginnt sie mit einer schwermütigen Einleitung in d-Moll: Tempo di marcia funebre. Nach einem etwas mühsam in Gang kommenden Accelerando erreicht man schließlich ein strahlendes D-Dur, und das recht ungestüme Allegro-Hauptthema wird vom vollen Orchester herausgeschmettert. Die Durchführung entspricht ganz den klassischen Vorgaben. Die beiden Hauptthemen werden kunstvoll ineinander verschränkt, in der Reprise geschieht die Verkürzung und in der Coda sammeln sich erneut die nicht geringen Kräfte. Der zweite Satz, mit „alla tedesca“ überschrieben, ist ein melodischer Geniestreich. Eine sehnsuchtsvolle Melodie fast südländischer Provenienz in den Holzbläsern wird mit quasi gitarrenartigen Walzer-Nachschlägen der Streicher begleitet. Der 2/4-Takt in der Melodie und der ¾-Takt in der Begleitung ergeben einen reizvollen Kontrast, den Tschaikowsky in späteren „Walzern“ sehr gern verwendet. Der im Zentrum stehende langsame dritte Satz (Andante elegiaco) beginnt mit pastoralen Anklängen, die alsbald in den Streichern einer weit ausschwingenden Melodie weichen, die kontrapunktisch umspielt wird. Eine Steigerung wird sehr effektvoll in Szene gesetzt, um danach mit allerlei fragmentarischen Motiven des Beginns schmerzlich zurückzusinken. Das Scherzo (Allegro vivo) überträgt arpeggierende Techniken auf das ganze Orchester, die durch derb-komische Bläsereinwürfe noch verfeinert werden. Das Trio überrascht durch eine raffinierte Harmonik. Der letzte Satz („tempo di polacca“ – der an sich völlig aus der Luft gegriffene Name „Polnische“ der Sinfonie rührt von dieser Angabe her) stellt sich als schmetterndes Rondo dar, das in einer ziemlich reißerischen Stretta seinen krönenden Abschluss findet. Die Uraufführung von Tschaikowskys dritter Sinfonie fand unter Nikolaj Rubinsteins Dirigat am 7. November 1875 in Moskau statt. Sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik wurde das Werk wohlwollend aufgenommen. So stand nach der Petersburger Erstaufführung in der Presse Folgendes zu lesen: „Tschaikowsky geht von Höhepunkt zu Höhepunkt. In der neuen Sinfonie stehen die Kunst der Form und der kontrapunktischen Durchführung höher als in seinen früheren Werken. Die Sinfonie bildet eines der Spitzenwerke der letzten 10 Jahre, nicht nur in Russland, sondern in ganz Europa.“ Seltsam genug, gerade diese Kritik dünkte Tschaikowsky „sehr kühl“, niemand konnte es dem geborenen Pessimisten und Melancholiker recht machen.
Spieldauer: ca. 46 Min.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 09.07.2020 19:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln