Kölner Philharmonie

Bamberger Symphoniker

Bamberger Symphoniker | Philharmonie
Foto: Richard Haughton
Bamberger Symphoniker | Philharmonie
Foto: Richard Haughton

Konzert - Ravel, Mahler

Jakub Hruša, Dirigent

Hélène Grimaud, Klavier
Katerina Knežíková, Sopran


Maurice Ravel (1875-1937)
Konzert für Klavier und Orchester G-Dur (1929-31)

Maurice Ravel wurde am 7. März 1875 in Ciboure, einem kleinen Ort in den Pyrenäen, geboren und begann nach seinem Studium am Pariser Konservatorium (u.a. bei Gabriel Fauré) eine Laufbahn als Pianist und Dirigent. Misserfolge bei seinen Bemühungen um den Rompreis vermochten Ravels Selbstvertrauen nicht zu erschüttern. Seine Begegnung mit Eric Satie hinterließ nachhaltigen Eindruck auf den jungen Komponisten. Es folgten erste größere Erfolge, aber auch Skandale. 1912/13 arbeitete er mit den von Sergeij Diaghilew geleiteten Ballets Russes (Auftragswerk „Daphnis et Chloé“) und mit Igor Strawinsky (Orchestrierung von Mussorgskys „Chowanschtschina“). Dann trat er in den Wehrdienst ein; 1920 bezog er eine kleine Villa bei Paris. Es folgten Konzertreisen, u.a. nach Wien, die Niederlande, Venedig, England sowie in die USA. Ab 1933 spürte er erste Anzeichen eines Gehirnleidens; Lähmungserscheinungen machten ihm in den letzten Jahren seines Lebens jegliches Schaffen unmöglich. Er starb am 28. Dezember 1937 in Paris.

Die beiden Klavierkonzerte Ravels entstanden fast gleichzeitig in den Jahren 1930/31. Das zweite in G-Dur – so schreibt Ravel selbst – „ist ein Konzert im genauesten, wörtlichsten Sinne des Wortes und geschrieben im Geiste der Konzerte Mozarts und Saint-Saëns‘“. So präsentiert es sich der Form nach als eine klassisch anmutende Schöpfung in drei Sätzen, die allerdings mit der Gattung des klassischen Klavierkonzertes verfremdend spielt. Der erste Satz beginnt überraschenderweise als Bläserkonzert, das eher wie Zirkusmusik klingt und die Musik wie mit einem Peitschenknall antreibt. Bewegung ist eines der Grundmomente der beiden Ecksätze („Allegro vivace“ und „Presto“), die auch durch die vielfältig verwendeten Elemente des damaligen „Jazz américain“, vom Blues bis zum Foxtrott, unterstützt wird. Im schärfsten Kontrast dazu steht der langsame Mittelsatz („Adagio assai“). Der künstliche Fluss einer vom Klavier lang ausgesponnenen Melodie im Dreivierteltakt wird durchkreuzt von der Walzerbegleitung in der linken Hand des Solisten im Dreiachteltakt, so dass sich subtile Schwerpunktverlagerungen zwischen Melodie und Begleitung ergeben. Im Weiteren tritt das Soloinstrument wieder hinter den Bläsern zurück, mit Figurationen, die direkt aus Mozarts Klavierkonzert KV 503 stammen. Mit der Walzerbegleitung endet dieser eigentümliche Satz.

Gustav Mahler (1860-1911)
Sinfonie Nr. 4 G-Dur (1899/1900; rev. 1902-10) für Orchester mit Sopransolo

Gustav Mahler wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmanns im böhmischen Kalischt, einem kleinen Marktflecken in der Nähe der böhmisch-mährischen Grenze, geboren. Am Wiener Konservatorium konnte er nur studieren, weil sich ein Lehrer bereitfand, einen Teil der Studiengebühren zu übernehmen. Als Kapellmeister fand er in Leipzig und Budapest eine Anstellung. 1891 wurde er als erster Kapellmeister nach Hamburg berufen. Als Peter Tschaikowski der deutschen Erstaufführung seiner Oper „Eugen Onegin“ beiwohnte, feierte er Mahler als „einen Mann von Genie“. 1897 errang Mahler für die Dauer von 10 Jahren die begehrte Stelle des Hofoperndirektors in Wien. Dort wurde er immer wieder wegen seiner künstlerischen Tätigkeit und seiner jüdischen Herkunft angefeindet. Dennoch leitete er die Hofoper mit großem Erfolg. Aber die Anforderungen dieses Musikbetriebes brachten es auch mit sich, dass er sich lediglich in den Ferienmonaten intensiv mit seinen Kompositionen beschäftigen konnte. 1907 legte Mahler, der andauernden Auseinandersetzungen müde, die Leitung der Hofoper nieder, auch um sich verstärkt seinem kompositorischen Schaffen widmen zu können. Doch noch im gleichen Jahr schloss er einen Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York und begann am Neujahrstag des Jahres 1908 mit „Tristan und Isolde” seine Dirigententätigkeit in den Vereinigten Staaten. 1911 gab Mahler sein letztes Konzert in New York, wenige Monate vor seinem Tode und gezeichnet von einer Krankheit, deren Ausgang ihm wohl schon seit 1907 nicht mehr zweifelhaft war. So ist die letzte 1910 begonnene 10. Sinfonie beherrscht von der Stimmung des Abschieds, der Resignation und der Todeserwartung. Davon zeugen Klage und Trauer, deren Spuren sich in Gestalt von Ausrufen in den hinterlassenen Skizzen finden: „Erbarmen: O Gott, warum hast du mich verlassen!“ oder „Der Teufel tanzt mit mir! Vernichte mich, daß ich vergesse, daß ich bin“ und schließlich: „Leb wohl, mein Saitenspiel“.

Religiöser Glaube, Weltanschauung und sinfonische Musik hängen bei Mahler wie bei kaum einem anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts aufs engste zusammen. Mahler selbst verstand etliche seiner Werke als Ausdruck seiner Weltanschauung – eine „metaphysische Musik“. Seine Sinfonien sind von dem Nimbus des Geheimnisvollen und Ungeheuerlichen umgeben. Der Komponist selber galt vielen als „Gottsucher“, „Mystiker“ und „sinfonierender Philosoph“, dessen Schaffen mit schwerer metaphysischer Fracht beladen war. Die vierte Sinfonie begann Mahler 1899 in den Sommerferien, seiner bevorzugten Komponierzeit, doch kam er nicht so recht voran. Briefe aus dieser Zeit zeugen von einer regelrechten Schaffenskrise. Gegen Ende der Ferien jedoch kam der Durchbruch: die Skizzen wurden erstellt und im August des Jahres 1900 war die „Vierte“ vollendet. Sie hat, wie die anderen Werke Mahlers, eine innere Leitidee: die Auseinandersetzung zwischen der Realität und Mahlers Leiden an seiner Umwelt – der „ewigen Jetztzeit“, wie er sie in Notizen an den Musikwissenschaftler Paul Bekker nennt, und seiner Sehnsucht nach einer besseren Welt.

Die reale Welt wird im ersten Satz („Bedächtig. Nicht eilen“) vorgestellt. Die Themen klingen alle sehr vertraut, in Mahlers realer Welt haben sich die Menschen „irgendwie eingerichtet“ und alles bleibt beim Alten. Dieser Satz wird eröffnet mit einer Schelle, dem Symbol des Narren, der die Welt verachtet und verspottet, indem er ihr den Spiegel vorhält. Der zweite Satz, ein groteskes Scherzo („In gemächlicher Bewegung. Ohne Hast“), zeichnet dieses Weltbild noch krasser: „Freund Hein spielt auf“ heißt es in einer Notiz Mahlers. Freund Hein, die volkstümlich-romantische Umschreibung für den Tod, der mit seiner Fidel den Menschen zum Totentanz aufspielt, wird in Mahlers Sinfonie dargestellt durch die höher gestimmte Solovioline, die grell und fahl klingt. Wie es sein könnte, wird im dritten Satz vorgeführt, dem „Adagio“ („Ruhevoll“). Es ist ein Variationssatz in der österreichischen Tradition eines Franz Schuberts und Anton Bruckners, erfüllt von der typischen melancholisch-traurigen Schönheit. Mahler selbst hielt diesen Satz für einen seiner besten, die Verheißung einer anderen, schöneren Welt, die allerdings unerreichbar bleibt, es sei denn in der naiven Vorstellungswelt der Kinder. Mit dem unmittelbar anschließenden Finale („Sehr behaglich“) hat Mahler diese Kinderwelt erreicht. Ein Sopran-Solo singt das Lied vom „Himmlischen Leben“, dessen Text wieder einmal aus „Des Knaben Wunderhorn“ stammt, aus dem sich ja, neben Mahler, auch schon so viele andere Komponisten bedient haben. Der Text des Liedes kennt auch grausame Momente, und nicht von ungefähr zitiert Mahler die Narrenschelle vom Beginn der Sinfonie: die kindliche Vorstellung vom himmlischen Leben ist zugleich der Spiegel all dessen, was den Kindern in der Realität vorenthalten bleibt. Doch dem Finale fehlen der Spott und die Bitterkeit der ersten beiden Sätze. Ein reiner und unschuldiger Humor bestimmen das Lied und Mahler zeigt durch die Vertonung dieser Textstelle, wo er seine eigene bessere Welt zu finden hofft: In der Musik, die im Sinne des von Mahler geschätzten Philosophen Schopenhauer das Leiden an der Welt überwinden hilft.


Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 08.07.2020 19:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln