Kölner Philharmonie

SWR Symphonieorchester

SWR Symphonieorchester
Foto: Matthias Creutziger
SWR Symphonieorchester
Foto: Matthias Creutziger

Gaëlle Arquez, Mezzosopran
Konzert - Mendelssohn Bartholdy, Berlioz, Illés, Debussy

Antonello Manacorda, Dirigent


Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847)
Ouvertüre aus: „Ein Sommernachtstraum“ op. 61

Im Jahre 1826 benutzte Felix Mendelssohn Bartholdy zahlreiche Sommerabende, um in Shakespeares „Sommernachtstraum“ zu schmökern. Das romantisch-poetische Märchenspiel um Oberon, Titania und den Kobold Puck hatte es dem 17jährigen angetan. Und so wurde die Fantasie des jungen Mendelssohn von der sommerlichen Lektüre entflammt und er schrieb noch im gleichen Monat eine Ouvertüre zum Sommernachtstraum, die ihn schlagartig bekannt machen sollte und als op. 21 bis heute ungemein beliebt ist. Doch damit nicht genug. Als Mendelssohn 1843 in Potsdam seine erweiterte Schauspielmusik zum „Sommernachtstraum“ vorstellte, war man auf die Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte gespannt. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Der 34-Jährige hatte sich nicht nur den schwungvollen Elan des 17-Jährigen bewahrt, sondern darüber hinaus auch seine Reifezeit erreicht. Scherzo, Intermezzo, Nocturne, Hochzeitsmarsch und Rüpeltanz wurden schnell so populär, dass sie bald in allen möglichen und unmöglichen Bearbeitungen ein Eigenleben zu entwickeln begannen. Mit einem Wort: Mendelssohns „Ein Sommernachtstraum“ ist ein Meisterwerk, das Shakespeares Poesie wunderbar zum Klingen bringt. Die Ouvertüre op. 21 des 17-jährigen wurde dem „Sommernachtstraum“ op. 61 als 1. Satz „Allegro vivace“ vorangestellt – und sie wird auch das heutige Konzert eröffnen.
Spieldauer: ca. 12 Min.

Hector Berlioz (1803–1869)
Les Nuits d'été op. 7 - Sechs Lieder für Gesang und Orchester Text aus „La comédie de la mort“ von Théophile Gautie

Wie Mendelssohn so hatte auch Berlioz ein großes Interesse an Literatur. Dieses Interesse bezeugen seine Lieder und Chorwerke. Für Les nuits d'été („Sommernächte“) verwendete er Verse des romantischen Dichters und Schriftstellers Théophile Gautier (1811-1872), der in Paris in seiner Nähe wohnte. Dessen Gedichte La comédie de la mort („Die Komödie des Todes“) erschienen 1838. Es ist überliefert, dass Berlioz einige der Gedichte bereits vorher kannte und vertonte, bevor das ganze Werk im Jahr 1841 fertig war. Die Lieder sind für Mezzosopran oder Tenor und Klavier geschrieben und Louise Bertin gewidmet, der Tochter von Louis Bertin. 1843 orchestrierte Berlioz das vierte Lied Absence für seine Geliebte Marie Recio; die übrigen Lieder orchestrierte er auf Anregung eines Verlegers für die Veröffentlichung 1856, nun mit verschiedenen Widmungen versehen. Das erste Lied, Villanelle, verherrlicht den Frühling und die Liebe und ist Louise Wolf gewidmet, Kammersängerin des Großherzogs von Weimar, wo Liszt für die Aufführung von Werken Berlioz' gesorgt hatte. Das Lied spiegelt den Geist des Gedichts wider. Le spectre de la rose („Der Geist der Rose“) ist der Sängerin Anna-Rose Falconi gewidmet, die Berlioz in London gehört hatte. Das Gedicht erzählt den Traum eines Mädchens vom Geist der Rose. Für die Orchesterversion hat Berlioz eine Introduktion für gedämpftes Solo-Cello, Flöte und Klarinette hinzugefügt. Sur les lagunes: Das melancholische Lamento („In den Lagunen: Lamento“) ist dem Sänger Feodor von Milde gewidmet. Gautiers Originaltitel lautet Lamento: La chanson du pêcheur (Lamento: Das Lied des Fischers), und so spiegelt die Musik Wellenbewegung wider. Absence („Abwesenheit“) ist Sängerin Madeleine Nottès gewidmet, die 1853 das Gretchen (Marguerite) in seiner Oper Faust gesungen hatte. Sie fleht in diesem Lied um die Rückkehr des Geliebten. Dem Tenor Caspari ist Au cimetière: Clair de lune gewidmet („Auf dem Friedhof: Mondschein“). Ein weiteres Lamento, dessen tiefe Traurigkeit durch L'ile inconnue („Die unbekannte Insel“) zerstreut wird. Es ist dies eine Vertonung des Gedichts mit dem Titel „Barcarolle“. Das Lied sucht das Unerreichbare: einen Platz, wo die Liebe ewig währt.
Spieldauer: ca. 30 Min.

Márton Illés (*1975)
« Ez-tér » für großes Orchester

Márton Illés ist nicht nur Komponist und Konzertpianist, sondern auch Dichter und Dirigent. Kein Geringerer als Wolfgang Rihm urteilte über den 1975 geborenen Ungarn: "Márton Illés schreibt eine Musik, in der sich Kalkül und Risiko präzise ausbalanciert die Waage halten. Die Emotionalität ist stets in ein verbindliches Struktur-Ganzes eingelassen; die Rationalität ist konfrontiert mit geschärfter Klangkraft und Ausbruchsenergie." Geboren wurde Illés im ungarischen Budapest. Seine musikalische Grundausbildung erhielt er zwischen 1981 und 1994 in den Fächern Klavier, Komposition und Schlagzeug an Musikinstituten in Gyor. Anschließend studierte er Klavier in Basel, an das er noch ein Kompositionsstudium anschloss. 2005 erhielt er an der Hochschule für Musik in Karlsruhe einen Lehrauftrag für Kompositionstheorie. Sein Orchesterwerk „Ez-tér“ entstand in den Jahren 2014 – 2017 als Kompositionsauftrag des SWR. Illés selbst hat sich zu seinem Werk geäußert: „Ein zentrales Element in den vier, ansonsten weitgehende charakteristische Autonomie besitzenden Stücken, so wie auch in vielen anderen meiner Werke überhaupt, ist die Linie. Linie im archetypischen Sinne, die sich mit allen Mitteln von all jenen Eigenschaften einer, in unserem historisch geprägten Bewusstsein gültigen Melodie zu befreien versucht, die sie daran hindern, sich in einem primordialen Klangraum frei zu entfalten. Die Melodie, im Horizontalen eine Abfolge von Einzeltönen, die sich kürzer oder länger auf beständigen Frequenzebenen aufhalten, eingeteilt in Stufen, Gittern, Rastern dank verschiedenster historischer Konventionen, in der vertikalen Interaktion stets und unvermeidlich harmoniegenerierend, kann nur bedingt und grob gepixelt der Anforderung der ideellen Linie als Träger einer tief wurzelnden, psychophysischen Urgestik gerecht werden. Die vier Stücke lassen durch unterschiedlich schattierte, gebündelte, vibrierende, flirrende, oszillierende Urgesten, Urklänge, die feinste psychophysische Regungen erleben und aufarbeiten, einen primordialen Klangraum entstehen, halten diesen großen Orchesterapparat in dynamischer, flexibler, mit stark kontrastierenden, haptischen Perspektiven agierender Dauerbewegung und Eröffnen einen ungefilterten Einblick in ein intimes, ursubstanzielles, menschliches Triebleben, den „Es-Raum“ (ungarisch: Ez-tér). Satz II ist ein Teil (Satz II) des 2014 komponierten Orchesterstücks ‚Tört-szin-tér‘“.
Spieldauer: ca. 19 Min

Claude Debussy (1862 – 1918)
La mer – Drei sinfonische Skizzen für Orchester

„La mer“ entstand zwischen 1903 und 1905. Während dieser Jahre standen die großen Komponisten Europas dem Problem gegenüber, wie sie die Entwicklungs- und Variationsformen der klassischen Tonalität durch Strukturen ersetzen könnten, die dem von ihnen anvisierten neuen Ausdrucksgehalt angemessen wären. Debussys eigene Bezeichnung der drei Sätze von „La mer“ als „sinfonische Skizzen“ ist eine ironische Untertreibung, denn diese Musik ist in keiner Weise als beiläufige Gelegenheitsarbeit anzusehen. Vielmehr ist sie mit relativ einfachen Mitteln höchst wirkungsvoll organisiert, leitet sich doch beispielsweise ein Großteil des Werkes aus den übereinandergeschichteten Quinten des Anfangs ab. Es ging Debussy in seinem Werk nicht um ein Abbild des Meeres, er wollte keine „Progamm“-Musik schreiben, das reale Meer war ihm vielmehr Anlass für eine Musik, die die Bewegungen des Meeres in klangliche Äquivalente umsetzt, genauer gesagt in Klänge und Rhythmen. Ihm kam es auf die Umsetzung optischer Eindrücke in musikalische Gestalten an, und dabei folgte das Werk nicht mehr einer vorgegebenen Form, sondern erzeugte sich im Fortschreiten gewissermaßen aus sich selbst heraus und wird damit nach Debussys eigenen Worten zum Ausdruck der „geheimnisvollen Übereinstimmung von Natur und Imagination“. Wichtigster Parameter ist dabei der Klang. Er hat die Tendenz, sich zu verflüchtigen, Gestalten zu produzieren, die keine Themen im landläufigen Sinne mehr sind. So beginnt der erste Satz, dessen Titel „De l'aube à midi sur la mer“ / „Vom Morgengrauen bis zum Mittag auf dem Meer“ eine Entwicklung der Musik anzukündigen scheint quasi als die Geburt der Musik aus dem Geiste des Klanges: Ihre Elemente treten hervor: Einzelton, Klangfarbe, Taktart, Motiv, Tonalität, Thema, Entwicklung, und das alles bei bewusstem Verzicht auf sinfonische Kompositionstechnik. Die Aufsplitterung des Klanges, die Schwerelosigkeit des Rhythmus' und die nicht mehr fassbare Form setzt sich auch im zweiten Satz fort, der die Überschrift trägt: „Jeux de vagues“. Der dritte Satz bedeutet eine Art von Synthese aus den ersten beiden, die sich bereits im Titel ankündigt „Dialogue du vent et de la mer“. Das musikalische Material dieses Dialogsatzes ist denn auch in sich selbst konträr: Es stehen sich chromatische Windklänge und diatonische Meerklänge gegenüber, die aus dem ersten Teil stammen und das den Bedürfnissen des Komponisten adaptierte thematische Grundmaterial bilden.
Spieldauer: ca. 25 Min.


Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 07.07.2020 19:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln