Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

WDR Sinfonieorchester Köln
Foto: Tillmann Franzen
WDR Sinfonieorchester Köln
Foto: Tillmann Franzen

Konzert - Chen, He, Dun, Huanzhi

Tung-Chieh Chuang, Leitung

Ray Chen, Violine


Qigang Chen (*1951)
Les Cinq Éléments (1999) Suite für großes Orchester

Der Komponist Qigang Chen wurde 1951 in Schanghai als Sohn einer Künstlerfamilie geboren. Bereits in jungen Jahren geriet er in die Mühlen der chinesischen Kulturrevolution und wurde für drei Jahre in ein Arbeitslager verbannt. Erst 1977 konnte er sein Kompositionsstudium wieder aufnehmen; 1984 bekam er die Erlaubnis, nach Frankreich zu gehen, und wurde dort von 1984-1988 einer der letzten Schüler Olivier Messiaens. Die Wahl französischer Werktitel ist nicht zufällig: Qigang Chen besitzt heute die französische Staatsbürgerschaft und lebt abwechselnd in Paris und Peking (Beijing). Seine zahlreichen Kompositionen verbinden gleichermaßen die Einflüsse traditioneller chinesischer Volksmusik mit westlicher Orchestersprache, so auch im Werk des heutigen Konzertes „Reflet d’un temps disparu“ („Reflexionen über eine verschwindende Zeit“). Bekannt wurde Chen vor allem durch zahlreiche Filmmusikkompositionen, darunter vor allem seine Musik zu dem Film „Flowers of War“ von Zhang Yimou. Qigang Chen komponierte auch die Musik für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Beijing 2008. In seinem Werk „Les Cinq Éléments“ („Die fünf Elemente“) behandelt Qigang Chen die fünf Elemente, die im Taoismus zur Beschreibung sämtlicher Naturerscheinungen dienen. Dabei geht es weniger um Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall an sich, als um ihre Eigenschaften und ihre Beziehungen zueinander. Chen komponierte diese Beziehung im Jahre 1999 als Konzertsuite, deren fünf Sätze jeweils einem Element zugeordnet sind. In den fünf Elementen entdeckt er fünf differente Substanzen, Temperamente und Charaktere, aus denen er fünf Modi des musikalischen Ausdrucks komponiert, jeweils als fünf zweiminütige musikalische Miniaturen. Dabei benutzt Chen nicht wesentlich asiatische Instrumente, sondern überträgt dies auf den großen, spätromantischen Orchesterapparat der westlichen Musik.
Spieldauer: ca. 10 Min.

Ray Chen (*1935) /Gang He (*1933)
Butterfly Lovers
Konzert für Violine und Orchester

Das Violinkonzert „The Butterfly Lovers“ wurde 1959 als Gemeinschaftsarbeit von Chen Gang – einem der führenden Komponisten des modernen China – und seinem Kommilitonen He Zhanhao (dessen Werke gleichermaßen berühmt wurden) geschrieben, als beide noch am „Shanghai Conservatory of Music“ studierten. Zhanhao He wird allgemein ein größerer Anteil an der Komposition des Konzerts zugeschrieben, doch wie auch immer, sein Hauptbeitrag ist auf jeden Fall das berühmte Eröffnungsthema. Ein großer Teil der nachfolgenden Entwicklung wurde dann von Gang Chen geschrieben. „The Butterfly Lovers“ („Die Schmetterlings-Liebenden“) ist eines der bekanntesten Orchesterwerke der chinesischen Musik. Es ist eine orchestrale Adaption der alten Legende „Butterfly Lovers“, die von einer tragischen Liebesgeschichte handelt, an deren Ende zwei Schmetterlinge fliegen, von denen man sagt, es seien die Seelen der beiden verstorbenen Liebenden, die verwandelt und für immer vereint seien. Das Konzert wurde nicht für chinesische Instrumente, sondern für einen westlichen Orchesterapparat geschrieben, enthält aber eine Solovioline, die dafür mit vielen chinesischen Techniken gespielt wird. Der Solopart erinnert ein wenig an die Technik der zweisaitigen chinesischen Geige „Erhu“. Chinesisch anmutend ist darüber hinaus auch, dass das Werk in traditioneller 5-Noten-Technik (Pentatonik) geschrieben ist und viele chinesische Melodien, Akkordstrukturen und Akkordmuster enthält. Dies gibt dem Stück einen unverwechselbaren „chinesischen“ Klang, obwohl es tonale Harmonien verwendet. Das Werk besteht nur aus einem Satz, ist jedoch in sieben kleinere Abschnitte unterteilt. Jeder davon erzählt einen anderen Teil der Geschichte der “Butterfly Lovers”. Einige der Melodien stammen aus der gleichnamigen chinesischen Oper oder aus traditionellen chinesischen Volksliedern. Die Solovioline ist ein Symbol für Zhu Yingtai, die Protagonistin der Geschichte, und die Cellostimme ein Symbol für Liang Shanbo, ihren Liebhaber. Das Konzert erlangte erst ab den späten 1970er Jahren große Popularität, als China nach Ende der „Kulturrevolution“ seine Beschränkungen lockerte. Einmal von der Zensur befreit, wurde es zu einer Verkörperung des Chinas im Übergang. Die Uraufführung des Schmetterlingsliebhaber-Violinkonzerts fand 1959 mit der 18jährigen Geigerin Yu Lina statt, anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Volksrepublik China in Shanghai.
Spieldauer: ca. 28 Min.

Tan Dun (*1958)
Concerto for Orchestra

Tan Dun ist ein in New York lebender chinesischer Komponist und Dirigent. Er studierte von 1978 bis 1983 in Peking Komposition bei Li Yinghai und Zhao Xingdao am Zentralen Konservatorium, wo er die Möglichkeit erhielt, an Seminaren bei bekannten Komponisten wie Hans Werner Henze, George Crumb und Toru Takemitsu teilzunehmen. In den 80er Jahren zog er nach New York, studierte bei Chou Wen-chung, George Edwards und Mario Davidovsky und promovierte an der Columbia University. Für ein breiteres Publikum wurde Tan Dun im Jahre 2000 durch seine Oscar-prämierte Filmmusik für „Tiger and Dragon“ bekannt. Sein Klavierkonzert HEAR & NOW wurde von der New Yorker Philharmonie in Auftrag gegeben und im April 2008 mit dem Pianisten Lang Lang unter Leitung von Leonard Slatkin uraufgeführt. Im gleichen Jahr wurde er von Google beauftragt, eine „Internet Symphony No. 1“ für das YouTube Symphony Orchestra zu komponieren. In seinen Kompositionen verknüpft er klassische und moderne Musikelemente und verbindet asiatische mit europäischen Musikrichtungen. Als Dirigent leitete er bereits zahlreiche weltberühmte Orchester. Zu dem 2012 entstandene „Concerto for Orchestra“ schrieb Tan Dun selbst: „Ein Orchester in der Hand eines Komponisten bleibt kein Standardorchester mehr - es wird zum Orchester dieses bestimmten Komponisten. (….) Ich habe mich immer gefragt: Was ist mein Orchester? Was ist das Orchester der Zukunft? Dieses Stück „Konzert für Orchester“ ist meine Antwort. Dieses Stück ist aus einem von den Berliner Philharmonikern in Auftrag gegebenen Konzert von mir hervorgegangen und wurde unter Berücksichtigung meiner Oper Marco Polo geschrieben. Marco Polo unternahm drei verschiedene Reisen: eine geografische, musikalische und spirituelle Reise. Im ersten Satz „Light of Timespace“ macht Marco Polo macht seine spirituelle Reise durch Zeit und Raum. Das Blech und die Streicher gleiten hin und her, ähnlich wie das Ein- und Ausblenden von Lichts oder das Tropfen von Tinte auf Kalligraphie-Papier. Der Ton stoppt, aber die Bedeutung der Noten bleibt bestehen. Der zweite Satz, „Scent of Bazaar“ öffnet sich dem Duft der östlichen Märkte mit Trompeten und Blechbläsern, die die würzigen Aromen und kraftvollen Parfums darstellen. Mit dem dritten Satz, „The Raga of Desert“ hören wir indisches Raga, bei dem jede Note lebt und unendlich viele Ausdrücke hat. Hier habe ich mich speziell auf die Blas- und Streichinstrumente konzentriert und versucht sie wie Zupfinstrumente, wie eine Sitar, klingen zu lassen. Im letzten Satz kommt Marco Polo in der Verbotenen Stadt an und ich habe versucht mir vorzustellen, welche Art von Licht, Farbe und Ton er dort gesehen und gehört haben mag. Die Verbotene Stadt hat für mich auch eine große Bedeutung: Sie ist nicht „verboten“, kein Hindernis, sondern zeigt Herkunft, Veränderung und Rätsel auf. Veränderung ist zirkulär und wir müssen immer wieder zurückkehren.“
Spieldauer: ca. 30 Min.

Li Huanzhi (1919 – 2000)/ Peng Xiuwen (1931 – 1996)
Frühlingsfest Ouvertüre

Die „Frühlingsfest-Ouvertüre“ gilt heute allgemein als Klassiker der traditionellen chinesischen Orchestermusik. Das in China allseits bekannte Stück wurde 2007 sogar der ersten chinesischen Raumsonde mitgegeben – als einziges Musikstück und einziges kulturelles Artefakt. Das 1955/56 entstandene Werk von Li Huanzhi und Peng Xiuwen ist inspiriert von Melodien und Rhythmen, mit denen die Einwohner im Norden der Provinz Shaanxi traditionell das chinesische Frühlingsfest begehen. Die hellen Melodien und ausgelassenen Rhythmen geben dem gemeinsamen Feiern und Tanzen und der übersprudelnden Freude beim höchsten Fest im chinesischen Kalender Ausdruck.
Spieldauer: ca. 7 Min.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 09.07.2020 19:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln